Verein Botanischer Garten beim Spalentor, Spalengraben 8, 4051 Basel (Switzerland)       

 
 
Petition für den «Verbleib des Botanischen Gartens bei der Universität»
Vorgeschichte
Der Botanische Garten der Universität Basel wurde 1589 gegründet. Er ist mit Abstand der älteste Botanische Garten der Schweiz und gehört sogar weltweit unter die 10 ältesten Institutionen seiner Art. Die Gründung stand im Zusammenhang mit der Neuschaffung einer Professur für Anatomie und Botanik. Seit mehr als 400 Jahren liegt die akademische Leitung des Gartens in den Händen von Botanik-Professoren.
Nach dem Universitätsvertrag (1994) zwischen Basel-Stadt und Baselland über die Beteiligung des Kantons Baselland an der Universität Basel, wurde diese 1996 aus der kantonalen Verwaltung Basel-Stadt ausgegliedert und in die Selbstverwaltung entlassen. Verbunden damit ist eine «Leistungsvereinbarung» zwischen der Universität und den Kantonen, welche die Aufgaben der Universität festlegt. Ende 2003 begann sich abzuzeichnen, dass die zukünftigen Mittel nicht ausreichen werden, um den bisherigen Leistungsumfang der Unversität aufrecht zu erhalten. Der Universitätsrat, das leitende Gremium, veröffentlichte daher im Januar 2004 ein Paket an Sparmassnahmen.
Der Sparvorschlag des Universitätsrates vom 22. Jan 2004
Dieses Sparpaket wurde ohne Rücksprache mit den betroffenen Teilen der Universität in Form eines PDF-Files auf der Webseite der Universität veröffentlicht. Über diese Veröffentlichung hinaus gab es auch im Anschluss daran keine direkte Kontaktaufnahme des Universitätsrates mit den betroffenen Institutionen, in unserem Fall also dem Botanischen Garten. Die einzige «offizielle» Informationsquelle war ein knapper Satz im PDF-Dokument. Er lautete: «Der Botanische Garten (Spalentor) geht in die Verantwortung des Kantons über.»
Niemand wusste, was dies genau bedeutet. Während einiger Zeit herrschte in vielen betroffenen Institutionen ein richtig gehender Lähmungszustand, eine eigentümliche, bleierne Ruhe. Allmählich wuchs jedoch die Empörung und der Widerstand innerhalb der Uni und in der Öffentlichkeit. Die Situtation der Botanik war für alle Beteiligten äussert ungewiss und kaum zu durchschauen.
Die Petition der «Garten-Vereins»
Der «Verein Botanischer Garten beim Spalentor», der sich unter anderem auch als Vertreter der Interessen der Gartenbesucher sieht, entschloss sich in dieser Situation dazu, eine Petition beim Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt einzureichen. Der Kernsatz lautete, dass der Botanische Garten «in seiner jetzigen Form und Qualität zu erhalten» sei.
Der Grosse Rat kann zwar nicht direkt auf die Entscheide des Universitätsrates einwirken, aber er muss den Sparvorschlag genehmigen und ist via Pauschalbudget, Leistungsvereinbarung und personelle Zusammensetzung des Unirates eine entscheidende politische Kontrollinstanz.
Die Argumente für den Verbleib bei der Universität waren folgende:
1. Die Universität ihrerseits würde ein wissenschaftliches Instrument und ein wichtiges Bindeglied zur Öffentlichkeit verlieren.
2. Man müsste langfristig mit einem schleichenden Substanzverlust des Botanischen Gartens rechnen, da die wissenschaftliche Betreuung und damit die Qualitätsgarantie durch die Universität wegfallen würden.
Für die Region Basel wäre dies ein Schritt Richtung Provinzialismus.
Unterschriftensammlung
Die Zeit für die Unterschriftensammlung war denkbar schlecht. Die Petition wurde Mitte Februar gestartet und musste am 21. März eingereicht sein. Mitten in diesen 4 Wochen lagen Fasnacht und Schulferien. Schlechtes Wetter machte Strassensammlungen schwierig und im Garten selbst gab es während dieser Zeit keine Veranstaltung, die man zum Sammeln hätte nutzen können.
Die Erwartungen lagen daher bei etwa 4'000 Unterschriften, was immerhin viermal mehr gewesen wäre, als der Mitgliederbestand des Vereins. Das Resultat übertraf dies alles bei weitem: 16'500 Unterschriften kamen zusammen.
Grosser Rat
Die Petition wurde am 21. März der Präsidentin des Grossen Rates, Frau Beatrice Inglin, übergeben. Die politischen Instanzen liessen durchblicken, dass Petitionen mit so vielen Unterschriften seltene Ausnahmen seien und dass man das Anliegen Ernst nehme.
Der revidierte Sparvorschlag des Unirates enthielt dann keine Äusserung mehr über den Botanischen Garten. Der Unirates liess verlauten, die Petition habe dabei keine Rolle gespielt.
Anschliessend wurde der Verein von der Petitionskommission des Grossen Rates angefragt, ob die Petition nun abzuschreiben sei. Die Antwort war ein klares «Nein», weil damit erst die «bisherige Form» (d.h. die Zugehörigkeit zur Universität), aber nicht automatisch auch die bisherige Qualität garantiert ist. Sollten nämlich universitätsinterne Sparmassnahmen den Garten substantiell treffen (z.B. durch Stellenabbau), so würden die Anliegen der Petition auf anderen Wegen dennoch wieder untergraben.
Dokumente